
Inmitten des Nordschwarzwaldes liegt das im Jahre 1095 gestiftete ehemalige Kloster Alpirsbach im idyllischen Kinzigtal. Das Gebäudeensemble aus rotem Sandstein bewahrt über 900 Jahre wechselhafte Geschichte. Aus dem benediktinischen Reformkloster, das mit der Reformation aufgelöst wurde, entstand für kurze Zeit im 16. Jahrhundert eine evangelische Klosterschule. Heute informieren sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher im Infozentrum und im Museum über die mittelalterliche Klosteranlage, deren strenge Ordnung und beherrschende Atmosphäre auch heute noch die Stadt Alpirsbach prägt.
Das Kloster Alpirsbach verdankt seine Gründung einer Schenkung. Am 16. Januar 1095 übergaben drei Adlige ihr gemeinsames Erbe in einer offiziellen Zeremonie dem heiligen Benedikt: Graf Alwig von Sulz, Graf Adalbert von Zollern und Ruotmann von Neckarhausen stifteten das Hofgut Alpirsbach im Schwarzwald mitsamt einem großen Besitz an Gütern und Rechten, die am oberen Neckar lagen. Man weihte ein kleines hölzernes Oratorium als vorläufige Klosterkirche, Kuno von St. Blasien, der aus einem Reformkloster kam, wurde der erste Abt von Alpirsbach.
Die junge Klostergründung durch Angehörige der Adelsopposition gegen die Zentralgewalt des Kaisers geschah vor dem Hintergrund der großen Reform des benediktinischen Mönchtums und des Investiturstreits. Einerseits sollten sich die Klöster ihrer zunehmenden Verweltlichung entziehen und sich in einer religiösen Verinnerlichung erneuern. Hierzu gehörte die Besinnung auf die grundlegenden Ordensregeln: persönliche Armut, Keuschheit und Gehorsam. Zum andern wurde die Unabhängigkeit der Klöster von der weltlichen Herrschaft und deren Einflussnahmen auf Abtswahl und Besitz der Klöster angestrebt. |
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Klosterkirche Schon 30 Jahre nach der Klostergründung war die dem Heiligen Nikolaus geweihte Klosterkirche erbaut. Die flachgedeckte, dreischiffige, monumentale Säulenbasilika steht auf einem kreuzförmigen Grundriss und folgt der strengen und klaren Ordnung der romanischen Bauweise. Gemäß der Liturgie der Reformklöster wurden auch in der Alpirsbacher Kirche das "Mönchshaus" im Osten und ein "Laienhaus" im Westen durch eine Chorschranke getrennt.
Man betritt die heute von der evangelischen Kirche genutzte Klosterkirche durch die Vorhalle, das sogenannte "Paradies" und ein prächtiges Portal. Da im Lauf der Geschichte nur verhältnismäßig wenige Veränderungen vorgenommen wurden, hat sich sehr viel von der ursprünglichen Ausstrahlung des Gotteshaus bewahrt.
Zu den Besonderheiten des mächtigen Innenraums zählen heute die drei ausgemalten halbrunden Nischen im Hauptchor, die eindrucksvollen Kapitelle der Säulen vor der zentralen Vierung, eine romanische Chorbank und der spätmittelalterliche Hochaltar im nördlichen Seitenschiff.
Klausur Die Alpirsbacher Klausur, der Bereich, der nur von Ordensangehörigen betreten werden durfte, ist fast vollständig erhalten. Sie gibt Einblick in das mittelalterliche Klosterleben und zeugt mit ihren vielfältigen baulichen Veränderungen von den unterschiedlichen Stilauffassungen und Nutzungen im Lauf der über 900-jährigen Klostergeschichte.
Der Ostbau wurde im Anschluss an die ost-west-orientierte Kirche am Querschiff errichtet und beherbergte als Dormentbau die Schlaf-, Arbeits- und Aufenthaltsräume der Mönche. Hierzu gehörten der Kapitelsaal (Versammlungsraum), das Parlatorium / Auditorium (Sprechraum / Hörsaal) und die Frateria (Raum für geistige Betätigung). Im 15. Jahrhundert baute man den großräumigen Schlafbereich in Einzelzellen mit breiter Flurzone um. Durch die Aufstockung des Kreuzgangs gewann das Kloster weitere Schlafzellen. Eine Treppe führte vom Flur direkt in den Chor der Klosterkirche.
Im Südbau des Klausurbereichs waren das Kalefaktorium (Wärmestube) und das Refektorium (Speisesaal) mit der Küche untergebracht. Von diesen Räumen sind heute nur noch wenige Überreste vorhanden. Ein Brand im ehemaligen Küchenbau im 19. Jahrhundert und der Umbau des Refektoriums zum katholischen Kirchenraum in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts haben die ursprüngliche Situation völlig entstellt.
Der Westbau öffnete den Klausurbereich zur Außenwelt: hier gab es den großen Vorratskeller (Cellarium) und die Klosterpforte. In den Obergeschossen lagen die Wohn- und Diensträume des Abtes. Sie wurden in der spätgotischen Umbauphase im späten 15. Jahrhundert erweitert. Obwohl durch Nutzungen in der nachklösterlichen Zeit viele Spuren verwischt sind, gewinnt man heute noch einen guten Eindruck von der Prachtentfaltung dieser Räume. |
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